Neue Ausstellung in der Heimatstube Reetz

Eva Loth

Seit nunmehr einem Jahr gibt es die Heimatstube in Reetz. Sie ist das erste Projekt des Reetzer Dorfvereins. Die Idee dazu schwirrte schon länger in den Köpfen herum, nur wusste man anfangs nicht, wie man die ganze Sache finanzieren sollte. Mit der Vereinsgründung bestand dann die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen. Diese wurden von der LAG bewilligt und so konnte es endlich losgehen. Als Räumlichkeit hatte man sich das ehemalige Bürgermeisterbüro ausgesucht. Allerdings musste der seit Jahrzehnten leer stehende Raum erst einmal gründlich auf Vordermann gebracht werden. Es wurde gemalert, der Fußboden neu verlegt und die Decke gestrichen. Dabei legten die Vereinsmitglieder mit Hand an. Gleichzeitig sammelte man Material für die erste Ausstellung. Viele Bürger stellten Fotos, altes Gerät und Andenken aus früherer Zeit zur Verfügung. Die erste Ausstellung wurde zum Adventsmarkt 2016 eröffnet und ging sozusagen einmal quer durch die Reetzer Geschichte. Besonders die alten Bilder hatten es den Besuchern angetan, erkannte man darauf oft Eltern und Großeltern vor ihren Gehöften oder bei der Arbeit. Der Dorfverein ist aber immer noch auf der Suche nach Exponaten.

Die zweite Ausstellung, die derzeit zu besichtigen ist, ist dem wohl größten Reetzer Aushängeschild gewidmet, dem Karneval. Mehr als 25 Jahre begeisterten die Akteure Gäste aus nah und fern.

Am 11.11.1967 hieß es in Reetz das erste Mal „Bubi fass an“. Elf Männer hatten die Geschicke in die Hand genommen, um der Bevölkerung einen lustigen Abend zu bieten. Und es wurde keine Eintagsfliege – 25 Jahre lang begeisterten die Karnevalisten der Reetzer Karnevalsgesellschaft (RCG) Gäste aus nah und fern. 224 Veranstaltungen wurden auf die Beine gestellt, mehr als 41.000 Gäste konnten begrüßt werden. Und das nicht nur aus deutschen Landen, aus Kuba, Vietnam, Österreich, Frankreich, der UdSSR, Amerika und dem Kongo waren Gäste angereist.

Die Reetzer Narren verglichen sich gern mit der damals populären Sendung „Außenseiter – Spitzenreiter“. Denn welcher Olympiakämpfer von Moskau trug noch nach 25 Jahren seinen Freizeitanzug? Die Mitglieder des Elferrates trugen ihn bis zum Finale 1992 als „Uniformjacke“. Nach Olympia gab es die Uniformen frei zu kaufen. Schneidermeister Horst Lange änderte die Revers in eine rote Farbe – fertig waren die Jacken für den Elferrat!

Karnevals – Urgestein Helmut Jakobi erinnert sich gern an die damaligen Zeiten. Als er 1967 als Lehrer nach Reetz kam, waren die Planungen schon in vollem Gange. Die jungen Männer bauten damals einen Schießplatz. Nach Feierabend wurde natürlich noch ein Bierchen getrunken. Siegfried „Pitti“ Brüning meinte dann: „Können wir nicht mal was Lustiges hier machen? Ein bisschen Kultur ins Dorf bringen?“ So entstand die Idee. „Wir saßen bei Werner Loth im Wohnzimmer, haben uns die Köpfe heiß geredet und die Bude vollgequalmt“ erinnert sich Helmut Jakobi. Die größte Diskussion gab es um den Schlachtruf, man wollte nichts aus dem „Westen“ kopieren. Üblich war es zur damaligen Zeit, dass die Bevölkerung bei allen Vorhaben fleißig mit anfassen musste. So entstand am Ende „Bubi, fass an“.

Die Materialbeschaffung für die Auftritte war nicht einfach. Für den Gassenhauer „3 Apfelsinen im Haar“ war es besonders schwer. Die Apfelsinen hatte man sich von Weihnachten aufgehoben. Aber woher zur damaligen Zeit Bananen nehmen? Also wurden welche aus Pappe gebastelt und in die Baströckchen eingearbeitet. Auch sämtliche Texte wurden selbst geschrieben. Um Anregungen zu erhalten, bat Helmut Jakobi seinen Bruder aus der Karnevalshochburg Köln um Bücher und Hefte zum Karneval. Aber man konnte sich damals ja nicht sicher sein, ob diese überhaupt ankamen – anscheinend passierten sie die Grenze problemlos.

Das ganze Jahr über wurden fleißig Lieder aus dem Radio aufgenommen, die für Auftritte geeignet waren. Leider gab es nicht immer entsprechende Noten. Horst Bendyk, der mit seiner damaligen Gruppe „Melodie und Rhythmus“ nach dem Ausscheiden von „Concordia“ (sie begleitete den RCG viele Jahre) die Veranstaltungen musikalisch umrahmte, hatte nun die schwere Aufgabe, die Noten zum einen für seine Band zu schreiben und sie zum anderen auch an die Stimmlagen der Sänger anzupassen. Eine Sisyphusarbeit!.

Dann hatte 1992 das lustige Treiben ein jähes Ende. Die Gaststätte in der Mitte des Dorfes war Eigentum des Konsums und wurde an eine Diskothek verpachtet. Es wurde noch ein Versuch im Saal des jetzigen „Bauernstüble“ gestartet, aber dieser Saal war einfach zu klein. Nicht nur die Reetzer bedauerten das Ende des RCG. „Wollt Ihr nicht noch mal…“ hieß es oft.

Auch heute noch werden die Mitglieder des RCG auf ihre Karnevalszeit angesprochen. Beim Umzug zur 850 Jahrfeier in Reetz kam schon ein bisschen Wehmut auf, als ehemalige Mitglieder in ihren damaligen Kostümen auf einem bunt geschmückten Wagen durchs Dorf fuhren. Auf Feiern wird gern in Erinnerungen geschwelgt, einfach nach dem Motto: „Aber schön war es doch“!

Jetzt werden die Erinnerungen noch einmal wach gerufen. Viele ehemalige Mitglieder und Akteure des Karnevals  haben Kostüme und Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt. Ein Besuch lohnt sich! Wer die Ausstellung besuchen möchte kann sich bei Eva Loth unter 033849/50664 oder evaloth@t-online.de melden.

 

Ihr Fachbetrieb aus Niemegk mit Verkauf, Service und Wartung! Für mehr Informationen auf das Banner klicken! – Anzeige

Danke schön! Sie haben das bereits als Favorit markiert.
Keine Kommentare